Du hast recht — die relevante Indexdatei ist https://axiomat.de/rs/sid/. Sie ist keine schlichte persönliche Startseite, sondern ein umfangreiches, fortlaufend bearbeitetes Konzept- und Arbeitsarchiv zu „SID“, ausgeschrieben als:
semantic-intent-domain-[driven-development]
Die Seite ist als persönlicher Entwicklungsstand eines größeren Denk- und Softwarekonzepts aufgebaut. Sie verbindet Überlegungen zu Sprache, Bedeutung, menschlichem Denken, künstlicher Intelligenz, Wissensstrukturierung und Softwareentwicklung.
Der aktuelle Versionshinweis lautet v0.0.9; mehrere Einträge sind ausdrücklich als Entwürfe, Notizen oder unfertige Arbeitspapiere gekennzeichnet.
Im Zentrum steht offenbar der Versuch, menschliche Aussagen nicht nur anhand ihrer Syntax oder einzelner Wörter zu analysieren, sondern ihre Absichten, Bedeutungsbereiche und Beziehungen zu erfassen.
Der Begriff lässt sich ungefähr so verstehen:
SID soll demnach ein Verfahren, eine Denkweise oder ein technisches
Modell sein, mit dem sich aus Sprache und Texten strukturierte
Bedeutungsräume gewinnen lassen.
Die Seite präsentiert allerdings noch keine fertige, formal definierte
Methode.
Vielmehr dokumentiert sie die laufende Entwicklung dieser Idee.
Die verwendeten Schlagwortketten im Seitentitel — etwa
humanity, brain, development,
inference, cognition,
glossary-stack und chaos — fungieren
wahrscheinlich als thematische Einordnung oder als eine Art semantisches
Metadatenmodell.
Die Indexdatei ist wie ein persönlicher Forschungs- und Entwicklungsindex gegliedert. Sie führt zu vielen einzelnen HTML-, Markdown- und PDF-Dokumenten. Der Betreiber ordnet diese Dokumente nach Entwicklungsphasen und Arbeitsrichtungen, beispielsweise:
Der Index ist nicht streng linear aufgebaut. Er enthält Querverweise, Statusangaben, Kommentare und persönliche Arbeitsanweisungen. Dadurch ähnelt er eher einem Zettelkasten, Forschungstagebuch oder verlinkten Denkgraphen als einem klassischen Projektbericht.
Die Seite empfiehlt ausdrücklich eine bestimmte Reihenfolge:
sid-the-arrival.htmlsid-oh-question.htmlsid-a-a-paradigm.htmlDazu steht der Hinweis:
„Proceed, direction upwards / When to Stop: as soon, as you can get it :-)“
Der Leser soll also schrittweise in die Idee einsteigen und nicht zwangsläufig jedes Dokument lesen. Die Formulierung „direction upwards“ deutet darauf hin, dass die Dokumente möglicherweise von konkreten oder intuitiven Beispielen zu abstrakteren Grundannahmen führen.
Gleichzeitig warnt die Seite davor, Texte zu lesen, die negative Gefühle auslösen könnten. Der Autor empfiehlt sinngemäß, belastende oder „hässliche“ Papiere sofort zu überspringen und Stress zu reduzieren. Das macht deutlich, dass die Sammlung nicht nur technisch, sondern auch stark persönlich und introspektiv geprägt ist.
Ein großer Teil der Sammlung beschäftigt sich mit der Frage, wie aus Sprache Bedeutung entsteht und wie Absichten in Texten erkannt oder dargestellt werden können.
Dazu gehören unter anderem Dokumente über:
Ein wiederkehrender Gedanke ist, dass Kommunikation nicht bei der bloßen Form eines Satzes stehen bleiben darf. Entscheidend sei, was jemand mit einer Aussage erreichen möchte, in welchem Problemraum sie steht und wie sie mit anderen Aussagen verbunden ist.
Der Index nennt beispielsweise:
sid-represent-intents-why.mdsid-represent-intents-why-meta2.mdsid-semantic-in-form.htmlsid-mix-meta-and-concrete.htmlsid-analyse-a-sentence-ex-endgame.htmlsid-language-wars.htmlsid-kommunikations-blockade.mdDiese Titel zeigen, dass der Autor versucht, zwischen sprachlicher Oberfläche, semantischer Struktur und menschlicher Absicht zu unterscheiden.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Verwendung von LLMs als Werkzeuge zur Untersuchung von Sprache und Denken.
Die Seite beschreibt verschiedene Experimente, bei denen Sprachmodelle eingesetzt werden, um:
Genannte Beispiele sind unter anderem:
erinnerungs-luecken-anderer-5.htmlerinnerungs-luecken-anderer-5-metaanalyse.htmla-bomb-truth-story.chat.htmlllm-als-struktur-pruefer-prompt-chat.mdsid-concept-generics-chat-meta2.htmlDie LLMs werden dabei nicht nur als Antwortmaschinen betrachtet. Sie dienen vielmehr als Spiegel, Strukturierungshelfer und Analyseinstrumente. Der Autor untersucht, was passiert, wenn ein Sprachmodell Begriffe ordnet, einen Text interpretiert oder eine semantische Analyse vornimmt.
Gleichzeitig bleibt die Seite gegenüber solchen Ergebnissen vorsichtig. Mehrere Hinweise zeigen, dass die Resultate bereinigt, geprüft und in eine verständlichere Form gebracht werden müssen. Ein LLM-Ausgabe wird also nicht automatisch als Wahrheit betrachtet, sondern als Material für weitere Iterationen.
SID ist nicht ausschließlich ein philosophisches oder sprachwissenschaftliches Projekt. Es soll offenbar auch auf Softwareentwicklung und Problemanalyse angewendet werden.
Im Index finden sich Bezüge zu:
Ein Arbeitspapier wird als möglicher Prototyp eines
Analysetools beschrieben. Es soll Problem-Domänen
klassifizieren und einen Startgraphen erzeugen. Der Eintrag
Startgraph v0.1.pdf deutet darauf hin, dass der Autor eine
graphartige Darstellung von Begriffen, Problemen und Beziehungen
erwägt.
Andere Dokumente heißen:
sid-problem-spaces.htmlsid-concrete-plan.htmlsid-protocols.htmlsid-high-performance.htmlsid-compression-note.htmlDie zugrunde liegende Vorstellung scheint zu sein, dass gute Softwareentwicklung nicht nur aus Code besteht. Vor dem Programmieren müssen Begriffe, Anforderungen, Absichten und Problemgrenzen geklärt werden. SID könnte dabei helfen, aus unstrukturierten Aussagen eine präzisere und besser bearbeitbare Problemdefinition zu gewinnen.
Ein wichtiger roter Faden ist die Bewegung zwischen Abstraktion und Konkretion.
Die Seite beschreibt wiederholt sogenannte „Babysteps“:
Der Autor scheint dabei ein persönliches Arbeitsprinzip zu verfolgen: Abstraktion soll nicht Selbstzweck sein, sondern dabei helfen, konkrete Probleme klarer zu sehen. An anderer Stelle wird sinngemäß gesagt, dass der Autor durch Abstraktion wieder zu konkreteren Ergebnissen gelangt.
Besonders wichtig erscheint das Thema „Connecting People“. SID soll nicht nur Texte analysieren, sondern möglicherweise helfen, dass Menschen ihre Anliegen klarer ausdrücken, Missverständnisse vermeiden und Ideen besser weitergeben können.
Neben der technischen Ebene hat das Projekt eine deutlich menschliche
Ausrichtung. Im Seitentitel und in mehreren Dokumenten tauchen Begriffe
wie humanity, brain, cognition,
mankind und human-impact auf.
Die Seite fragt unter anderem:
Mehrere Einträge sind mit einem hohen oder sogar sehr hohen „Human-impact“ versehen. Das zeigt, dass der Autor SID nicht bloß als technisches Spielzeug versteht. Das Projekt soll offenbar langfristig eine Bedeutung für menschliche Zusammenarbeit, Verständigung oder gesellschaftliche Entwicklung haben.
Der Index führt chaos ausdrücklich als Gegenbegriff oder
Antagonisten. Das ist bedeutsam, weil die Seite selbst zunächst sehr
chaotisch erscheint: Sie enthält viele Entwürfe, Varianten,
Querverweise, unfertige Formulierungen und persönliche Kommentare.
Gerade dieses Chaos scheint jedoch auch Gegenstand des Projekts zu sein. SID soll möglicherweise helfen, aus einem ungeordneten sprachlichen oder gedanklichen Raum eine erkennbare Struktur zu gewinnen.
Der Arbeitsprozess folgt dabei ungefähr diesem Muster:
Die Seite dokumentiert somit nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Entstehungsprozess.
Der Abschnitt „Uprising“ nennt verschiedene Inspirationsquellen. Dazu gehören:
Die Auswahl ist heterogen. Sie verbindet Informatik, Programmierung, Wissenschaftskommunikation, Philosophie, Gesellschaftskritik, Kunst und Musik.
Besonders hervorzuheben ist das Zitat von Heinrich von Kleist. Es lautet sinngemäß, dass ein frei denkender Mensch nicht dort stehen bleibt, wohin ihn der Zufall geführt hat, sondern sein höchstes Ziel selbst bestimmt und ihm mit allen Kräften entgegenstrebt.
Dieses Zitat bildet vermutlich eine Art geistigen Leitgedanken des Projekts: Denken soll nicht passiv bleiben, sondern sich bewusst ein Ziel geben und bestehende Begrenzungen überwinden.
Mehrere Dokumente versuchen, SID in eine klarere Form zu bringen:
sid-manifest-historic.htmlsid-overview-1sid-overview-2sid-overview-3sid-why.htmlsid-gglike.htmlsid-org-capture-templates-second-try.htmlsid-protocols.htmlDie Seite unterscheidet zwischen älteren historischen Entwürfen, aktuellen Übersichten, Manifesten und Protokollen. Daraus lässt sich schließen, dass der Autor noch nach der passenden Darstellungsform sucht.
Ein „Manifest“ würde die Grundideen und Ziele formulieren. Ein „Protokoll“ würde eher beschreiben, wie SID praktisch funktioniert. Die vorhandenen Dokumente scheinen zwischen diesen beiden Polen zu liegen: Einige sind visionär und programmatisch, andere versuchen bereits, Abläufe oder Datenstrukturen zu skizzieren.
Der Index macht deutlich, dass SID noch kein abgeschlossenes Produkt ist. Es handelt sich eher um ein offenes Forschungs- und Entwicklungsprojekt in einem frühen Stadium.
Ein besonders ungewöhnlicher Teil der Indexdatei ist ein langer Abschnitt, in dem das Wort „Danke“ in vielen Sprachen aufgeführt wird. Zu jeder Sprache oder Region wird ein Natur- oder Landschaftsbild genannt.
Beispiele sind:
Dieser Abschnitt hat offenbar keine technische Funktion. Er wirkt wie eine poetische oder symbolische Erweiterung des Projekts. Er stellt sprachliche Vielfalt, kulturelle Unterschiede und gemeinsame Wertschätzung nebeneinander. Dadurch erhält der Index am Ende eine globale und humanistische Note.
Am Ende der Seite erscheinen die Abschnitte:
Hier wird SID mit Fragen nach Bewusstsein, Emotionen und Logik verbunden. Die Begriffe werden nicht abschließend definiert, sondern markieren offenbar einen Übergang zu grundsätzlicheren Fragen:
Diese Dokumente scheinen den philosophischsten Teil der Sammlung zu bilden.
Die Indexdatei dokumentiert den Versuch, ein Modell oder eine Methode zu entwickeln, die Sprache, Absicht, Bedeutung, Problemräume und menschliche Zusammenarbeit miteinander verbindet.
SID könnte man vorläufig als eine Mischung aus folgenden Dingen beschreiben:
Der entscheidende Punkt ist: Die Seite präsentiert SID noch nicht als fertige Theorie oder als klar spezifizierte Software. Sie zeigt vielmehr den Entwicklungsweg zu einer solchen Theorie oder Software. Die zahlreichen Hinweise auf Entwürfe, Iterationen, Meta-Analysen, Protokolle und „Babysteps“ bestätigen diesen vorläufigen Charakter.
Kurz gesagt: axiomat.de/rs/sid/ ist ein verlinktes Denk- und Entwicklungsarchiv über die Frage, wie sich menschliche Intentionen und Bedeutungsräume so strukturieren lassen, dass Menschen und technische Systeme — insbesondere LLMs — klarer, hilfreicher und weniger missverständlich miteinander arbeiten können.
Die Datei enthält außerdem den Hinweis, dass SID unter der GPL 3.0 veröffentlicht wird beziehungsweise von einem GitHub-Projekt abgeleitet ist. Sie stellt ausdrücklich klar, dass kein Zusammenhang mit dem historischen Zeiss-Axiomat-Mikroskopsystem besteht.